„Risiken der gemeinsamen Geschwistervermittlung – Suche nach Lösungswegen“
zur Anfrage
Referent: Prof. August Huber
„Geschwisterkinder gehören zusammen“, ein schöner aber oft ein verhängnisvoller Grundsatz. Wie in Vielem zeigt sich auch hier, dass die Erfahrungen früher existentieller Not Geschwister zu bedrohlichen Rivalen machen können. Und dies vor allem dann, wenn die Notsituation durch die Unterbringung in der Pflegefamilie behoben ist. Die Kinder spüren mehr und mehr ihre eigenen übergroßen Bedürfnisse und kommen sich ins Gehege. Existenznot hat ihre Notgemeinschaft geschaffen; was vorher zusammengeschweißt hatte, fällt im sicheren Nest auseinander. Die Gefahr ist vorbei und die Kinder stellen ihren berechtigten Anspruch auf eine Mittelpunktsrolle in der Pflegefamilie. Deshalb sollte auf die
ganz individuellen Nöte und Bedürfnisse der einzelnen Kinder geachtet und von dort aus die Einbettung in eine neue Familie geplant werden. Zusammenbleiben der Kinder Priorität einzuräumen verkennt deren
vorrangigstes Bedürfnis nach konfliktfreier Geborgenheit. Gemeinschaftsfähigkeit setzt die Befriedigung der eigenen grundlegenden Bedürfnisse voraus. Im Seminar geht es um die Diskussion von Kriterien für problematische beziehungsweise gelingende Modelle von Geschwistervermittlung. Hierbei spielt selbstverständlich die Berücksichtigung der Altersstufe eine bedeutsame Rolle.


